Umwelt und Wohlstand ins Gleichgewicht bringen

An der Neujahrsansprache am 5. Januar thematisierte Melchior Buchs den Klimawandel. Der Gemeindepräsident führte mögliche Spielregeln und Massnahmen für das hiesige Wirtschaftssystem auf, um nachhaltiges ökologisches Verhalten zu fördern. Reinach nimmt hier mit dem Gold-Label-Zertifikat im Kanton Basel-Landschaft eine Vorreiterrolle ein:

An seiner Neujahresansprache am 5. Januar thematisierte Gemeindepräsident Melchior Buchs den Klimawandel. Er führte u.a. mögliche Spielregeln und Massnahmen für das hiesige Wirtschaftssystem auf, um nachhaltiges ökologisches Verhalten zu fördern. Reinach nimmt hier mit dem "Gold-Label-Zertifikat" im Kanton Basel-Landschaft eine Vorreiterrolle ein:

"Welche Themen haben das Jahr 2019 geprägt? Bei den zahlreichen Jahresrückblicken gibt es praktisch keine Unterschiede. Drei Themen werden überall genannt:

  • Brexit
  • Handelsstreit zwischen der USA und China
  • Klimawandel

Beim Brexit und beim Handelsstreit sind wir mehr in der Zuschauerrolle. Der Klimawandel hingegen betrifft auch uns direkt. Einerseits beschäftigen uns - auch hier in unserer Region - die Auswirkungen, andererseits irritiert die Art und Weise, wie die Diskussion zu diesem Thema geführt wird, was entsprechende emotionale Reaktionen auslöst. Und last but not least hat der Klimawandel die Ergebnisse der eidgenössischen Wahlen im Herbst, aber auch der kantonalen Wahlen im Frühling hier in Baselland stark geprägt.

Klimajugend und Okay Boomer
Dazu, dass das Thema Klima im vergangenen Jahr sehr vorherrschend war, passt auch die Wahl des Wortes des Jahres. In der Deutschschweiz ist «Klimajugend» zum Wort des Jahres erkoren worden, in der Romandie «vague verte» und in der italienischen Schweiz «onda verde».

In der Deutschschweiz auf Platz zwei hat es übrigens der Ausspruch «Okay Boomer» gebracht. Sie fragen sich jetzt bestimmt, was soll das? Das habe ich mich auch gefragt. Mit «Okay Boomer» hat eine junge neuseeländische Abgeordnete in einer Parlamentsdebatte einen älteren Zwischenrufer zum Schweigen gebracht. Mit «Boomer» hat sie ihn als Baby Boomer gemeint, als einen der Altersstufe der 55- bis gut 70-Jährigen, zu der ich und auch ein beachtlicher Teil der Leute hier drinnen gehört. Dieses «Okay Boomer» hat sich seither in den sozialen Medien stark verbreitet.

Eigentlich wäre dieses «Okay Boomer» kaum eine Erwähnung wert. Es symbolisiert aber ein Phänomen, das die Diskussionen um den Klimawandel prägt: die zum Teil verhärteten Fronten zwischen den Millennials und den Baby Boomern. Hier die Jungen, die zwischen den frühen 1980er und späten 1990er Jahren Geborenen; da die Älteren, die zwischen 1946 und 1964 das Licht der Welt erblickt haben. Die Frontlinien verlaufen so: Die Jungen fürchten sich vor der Erderwärmung und werfen den Alten Ignoranz, Untätigkeit, verknöchertes Denken und hemmungslosen Konsum vor. Die Alten hingegen meinen, die Jungen übertrieben mit ihrer Klima-Angst, seien überempfindlich, inkonsequent und sollten überhaupt erst einmal richtig arbeiten gehen. Wenn die Alten so argumentieren, sagen die Jungen kurz nur «Okay Boomer». Hinter diesen Verallgemeinerungen stecken viele Klischees.

Auch ein Tweet des deutschen Ablegers der Klimabewegung «Fridays for Future» sorgte über Weihnachten für Aufregung. Der Tweet lautete: «Warum reden uns die Grosseltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.»

Noch einen drauf gelegt hat ein missglückter Satirebeitrag des WDR. Er hat den WDR-Kinderchor in einem Lied den Refrain singen lassen: «Uns’re Oma ist ‘ne alte Umweltsau!» Da wird Satire geschmacklos.

Verhärtete Fronten
In den Debatten zum Thema «Klima» ist der Umgangston gehässiger geworden, die Fronten sind verhärtet, und die gegenseitigen Anschuldigungen werden lauter und zusehends absurder. Die an sich wichtige und nötige Diskussion zu diesem Thema findet so auf einer völlig falschen Ebene statt und verfehlt ihr Ziel. Es werden lediglich kontraproduktive Abwehrhaltungen provoziert. Gerade in den sozialen Medien lässt sich das gut feststellen. Es wird nicht mehr über die Sache diskutiert, sondern pro oder contra Greta Thunberg, es werden Schuldige gesucht, wie zum Beispiel die Wirtschaft oder eben die Alten oder umgekehrt die Jungen. Es werden Klischees zelebriert. Das ist nicht zielführend.

Die Jugend hat recht, wenn sie an unsere moralische Verantwortung erinnert, den Lebensraum nachfolgenden Generationen intakt zu übergeben, und wenn sie erbauliche Zukunftsperspektiven verlangt. Es ist auch das Privileg der Jugend zu provozieren. Das war früher nicht anders als heute. Die Baby Boomer haben z.B. in der 68er-Bewegung gegen altmodische Strukturen protestiert. Auch damals ging es darum, Erreichtes infrage zu stellen, und zu fragen, was gutes und richtiges Leben ausmacht. Wir sollten die Vorwürfe der Jugendlichen gegen uns ältere Generation daher nicht zu persönlich nehmen. Wir haben keinen Grund dazu. Die Baby Boomer-Generation hat in den letzten Jahrzehnten für die Umwelt sehr viel getan. Der Leistungsausweis lässt sich sehen. Wir müssen aber auch selbstkritisch genug sein, dass es uns bisher nicht gelungen ist, die Treibhausemissionen zu senken und wir daher das Ziel einer Verlangsamung der Klimaerwärmung nicht erreicht haben.

Erfolgsbeispiel Abwasserreinigung
Ein Beispiel einer Erfolgsgeschichte ist die Abwasserreinigung. Noch in den 1950er und 1960er Jahren waren die Schweizer Gewässer stark verschmutzt. Schäumende und stinkende Bäche, Fischsterben, Abfälle in Fliessgewässern und Seen waren an der Tagesordnung. Die Wasserqualität war zum Teil so schlecht, dass das Baden in offenen Gewässern aus gesundheitlichen Gründen verboten war. Oder wer erinnert sich noch an 1963, als in Zermatt, im noblen Kurort, eine Typhus-Epidemie ausbrach, weil die Trinkwasserversorgung mit Fäkalien verseucht war. Damals wurden unsere Abwässer grossenteils ungereinigt in die Gewässer eingeleitet. Auch hier in Reinach war es nicht besser. Das Abwasser kam entweder in Sickergruben und gelangte von dort in den Untergrund oder wurde in den Dorfbach geleitet und von dort weiter in die Birs. Erst ab 1965 wurde das Abwasser in der Kläranlage Birs gereinigt. Das Generationenwerk des flächendeckenden Baus von Abwasserreinigungsanstalten (ARA) hat die Wasserqualität und somit den Schutz der Wasserlebewesen und der Bevölkerung in den letzten 60 Jahren massiv verbessert. Wir baden heute mit Freude im Rhein.

Auch in anderen Bereichen hat die Umweltgesetzgebung - oft nach Krisen, wie z.B. dem Chemieunfall in Schweizerhalle - Verbesserungen für Mensch und Umwelt gebracht. Beispiele dafür sind die Störfallverordnung, das Deponieverbot für brennbare Abfälle, die Sanierung von Abfallaltlasten, Luftreinhalteverordnung, Lärmschutzverordnung usw. Die Festlegung von Grenzwerten hat den technologischen Fortschritt wesentlich angetrieben mit Innovationen wie z.B. dem Katalysator bei Benzin- und dem Partikelfilter bei Dieselmotoren oder neuen Heizsystemen. Diese Massnahmen zeigen auch Wirkung.

Hoher Ressourcenverbrauch in der Schweiz
Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der Konsum fossiler Energieträger und von vielen nicht erneuerbaren Stoffen parallel mit der Wirtschaftsleistung. Heute steigt der Ressourcenverbrauch langsamer als der Wohlstand. Die Umweltgesetzgebung hat zu einem effizienteren Einsatz der Ressourcen geführt. Aber die positiven Wirkungen dieser Massnahmen werden durch Wachstumseffekte überkompensiert: Zunahme der Bevölkerung, mehr Wohnraum, mehr Arbeitsflächen, mehr Fahrzeuge und, und, und…. So ist der Ressourcenverbrauch in der Schweiz zwischen 2000 und 2016 absolut gesehen doch um 12 Prozent gestiegen. Und unser pro Kopf-Verbrauch von natürlichen Ressourcen ist trotz aller Massnahmen, die bereits ergriffen worden sind, immer noch viel zu hoch. Das zeigt unser ökologischer Fussabdruck.

Er zeigt auf, welche biologisch produktive Fläche erforderlich ist, damit ein Mensch, ein Land oder die gesamte Menschheit die eigenen Bedürfnisse decken und die Abfälle neutralisieren kann. Das heisst, er zeigt auf, in welchem Ausmass unsere Nutzung der Natur die Fähigkeit der Biosphäre zur Regeneration übersteigt. Der ökologische Fussabdruck ist eine Art «Ressourcenbuchhaltung». Wenn der Fussabdruck der Menschheit die Biokapazität übersteigt, führt das zur globalen Übernutzung der Natur und ist nicht nachhaltig.

Wie sieht dieser Fussabdruck für die Schweiz aus?

Es wäre fast dreimal die Erde erforderlich, wenn die ganze Welt wie die Schweizer Bevölkerung leben würde. Dieses Ungleichgewicht besteht schon seit Jahrzehnten. Wie ist das möglich? Wir importieren natürliche Ressourcen und übernutzen allgemeine Güter, wie zum Beispiel die Atmosphäre. Wir leben somit auf Kosten künftiger Generationen und anderer Erdteile. Einige werden sich damit trösten, dass es Länder gibt, die über viermal mehr Ressourcen verbrauchen als weltweit Biokapazität verfügbar ist.

Fossiler Energieverbrauch wächst am stärksten
Wie setzt sich der ökologische Fussabdruck der Schweiz zusammen? Fast drei Viertel macht der Verbrauch fossiler Energie aus, d.h. die Fläche, die erforderlich ist, das Kohlenstoffdioxid CO2 zu binden, das durch unsere Aktivitäten freigesetzt worden ist. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahrzehnten auch noch am stärksten gewachsen. Der direkte CO2-Ausstoss pro Kopf und Jahr liegt in der Schweiz gemäss Bafu bei rund 5 Tonnen. Wenn man noch die sogenannten grauen Emissionen berücksichtigt, die aufgrund von Importen im Ausland entstehen, sind wir bei einem Ausstoss von rund 10 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr. Damit stehen wir international nicht gut da. Der mittlere CO2-Fussabdruck einer Weltbürgerin oder eines Weltbürgers beträgt weniger als 5 Tonnen, derjenige einer Inderin oder eines Inders z.B. nur 2 Tonnen.

Es handelt sich hier um Fakten, die wir zur Kenntnis nehmen müssen. Und es gibt bei diesen Zahlen auch wenig Interpretationsspielraum. Eigentlich wissen wir aus unserer Erfahrung, dass wir nicht mehr konsumieren können, als wir Mittel zur Verfügung haben. Wenn wir Mitte Monat unseren Lohn aufgebraucht haben und auf keine Ersparnisse zurückgreifen können, dann müssen wir verzichten oder wir leben auf Pump. Bei der Natur wird auf Pump leben erst mit einer grösseren Zeitverzögerung sicht- und spürbar, dafür mit umso grösseren Auswirkungen.

Vertrocknende Bäume und
«2000 tote Bäume: Hardwald bleibt bis Ende Jahr gesperrt.» Das war eine Schlagzeile im Juni des vergangenen Jahres in der bz. Auch in unserem Forstrevier Angenstein wurde im Sommer zu erhöhter Vorsicht im Wald aufgerufen. Rund 20 Prozent der Bäume, vor allem Buchen, sind tot und müssen als Folge der trockenen Sommer gefällt werden. Das tut zum einen weh und verursacht zum anderen hohe Kosten.

Eine andere Schlagzeile des vergangenen Sommers: «Die Eisschmelze auf Grönland hob den weltweiten Meeresspiegel seit 1992 um fast elf Millimeter an». Seit vielen Jahren schmilzt dort mehr Eis, als im Winter gefriert. Im vergangenen Sommer erlebte Grönland eine extreme Hitzewelle. Das Eis auf Grönland ist in dieser Hitzewelle so schnell geschwunden, als schmölze das Matterhorn binnen eines Tages. Das hat weltweite Auswirkungen.

... schmelzende Gletscher
Eine weitere Meldung im Sommer 2019: In nur 5 Jahren schrumpften die Gletscher in der Schweiz um 10 Prozent. Während den zwei intensiven, einwöchigen Hitzeperioden Ende Juni und Ende Juli des vergangenen Jahres schmolzen innerhalb von nur 15 Tagen auf den Schweizer Gletschern Schnee- und Eismassen, die dem jährlichen landesweiten Trinkwasserverbrauch entsprechen.

Bei dieser Ausgangslage macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, darüber zu diskutieren, ob Klimaveränderungen stattfinden und wie viel der Mensch dazu beiträgt. Es herrscht inzwischen ein breiter wissenschaftlicher Konsens darüber, dass der Klimawandel real und zu einem guten Teil menschengemacht ist.

Wie kommen wir auf einen nachhaltigeren Entwicklungspfad? Wohin sich die Welt entwickeln soll, hat die UNO 2015 in der Agenda 2030 mit 17 Nachhaltigkeitszielen festgelegt. Es handelt sich dabei um soziale Ziele wie keine Armut, kein Hunger, Bildung und Gesundheit für alle, um Umweltziele wie den Klimaschutz und wirtschaftliche Ziele, wie Produktion, Konsum und Beschäftigung. Der erste Weltnachhaltigkeitsbericht der UNO, der im vergangenen Jahr veröffentlicht worden ist, zeigt, dass wir bei vielen Zielen zu langsam vorwärtskommen oder sogar in die falsche Richtung gehen. So steigen die CO2-Emissionen weiter an und damit rücken die gesetzten Klimaziele weiter weg.

Eine nachhaltige Entwicklung muss Wohlstand und Umwelt in ein Gleichgewicht bringen. Wie produzieren und konsumieren wir künftig? Die Beantwortung dieser Frage erfordert viel Kreativität, Gestaltungswille und Unternehmertum. Wir werden künftig noch viel mehr auf Kreislaufwirtschaft setzen müssen und uns damit aus der Wegwerfwirtschaft verabschieden. Wir müssen zudem die Spielregeln in unserem Wirtschaftssystem so definieren, dass uns ökologisches Verhalten leichtfällt und vor allem belohnt wird. Verbote aber erzeugen Trotzreaktionen.

Beziehung Mensch-Umwelt überdenken
Ein nachhaltigeres Leben und ein nachhaltigeres Wirtschaften ist nicht ohne Verhaltensänderungen erreichbar. Wir müssen die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt überdenken und neu erfinden. Diese Beziehung hat die Menschen immer wieder beschäftigt. Bereits im frühen 3. Jahrhundert nach Christus hat der Kirchenschriftsteller Tertullian das unaufhaltsame Vordringen des Menschenwesens bis in die entlegensten Winkel der Erde beklagt:

«So ist es: Der ganze Erdkreis selbst steht uns dienstbar zu Gebote, und dies von Tag zu Tag üppiger kultiviert und reicher ausgestattet als am Tag zuvor. Alles ist bereits erschlossen, alles erkundet, alles voller Geschäftigkeit. Lieblichste Kulturen haben berüchtigtes Ödland weithin zum Verschwinden gebracht, Saatfelder haben die Urwälder zurückgedrängt, die Haustiere haben die Wildtiere in die Flucht geschlagen; Sandwüsten werden bewässert und besät, Felsgründe werden bepflanzt, Sümpfe werden trockengelegt; Städte gibt es so viele wie früher nicht Häuser. Längst haben einsame Inseln ihren Schauder, Klippen und Riffe ihren Schrecken verloren; überall gibt es Bauwerke, überall Völker, überall Staaten, überall reges Leben. Das schlagendste Zeugnis für das Überhandnehmen des Menschen aber ist dies: Wir sind der Welt zur Last – onerosi sumus mundo. Kaum reichen die vier Elemente uns noch aus, die Zwänge ziehen sich enger zusammen, und Klagen werden allenthalben laut, während doch umgekehrt die Natur uns bereits nicht mehr erträgt . . .»

Indianerhäuptling als Vorbild für Reinacher Romanautorin
Auch in der legendären Rede des Chief Seattle von 1854/55, Indianerhäuptling, an den damaligen amerikanischen Präsidenten, Franklin Pierce, geht es im Kern um das Verhältnis von Mensch und Natur. Der amerikanische Präsident forderte den Indianerstamm auf, sein Land im heutigen Bundesstaat Washington an weisse Siedler zu verkaufen und im Gegenzug in ein Reservat zu ziehen. Die Indianer verstanden dieses Ansinnen nicht. Wie alle Ureinwohner Nordamerikas betrachteten sie sich als Teil der Natur, für die man Sorge zu tragen habe und der man Respekt und Ehrerbietung entgegenbringt. Nach ihrer Vorstellung kann der Mensch die Erde ebenso wenig besitzen, wie er die Frische der Luft oder das Glitzern des Wassers besitzen kann. Warum erwähne ich das hier? Die Rede des Chief Seattle ist in einer Neuauflage im Reinacher Riverfield-Verlag herausgegeben worden. Dafür verantwortlich sind Alfonso Pecorelli und seine Tochter, Lisa Schneider, die in Reinach leben. Lisa Schneider ist mit 19 Jahren bereits eine bekannte und erfolgreiche Romanautorin («Thymios - das Herz des Kriegers» und «Tränen der Freiheit»). Zusammen mit ihrem Vater hat sie jetzt eine Reihe von Büchern zum Thema Umweltschutz und Klimawandel gestartet. Dazu gehören «Die Botschaft an die Menschheit» mit der Rede von Chief Seattle und «Wie wir die Erde retten». Auch wenn man nicht alle Inhalte in diesem zweiten Buch teilt, so lohnt es sich, die dort geäusserten Gedanken, Ideen und Vorschläge zu lesen. Sie rütteln auf.

Viele technologische Innovationen zur Reduktion von CO2
Ich bin optimistischer, weil ich der Meinung bin, dass bereits viel in der richtigen Richtung geschieht. In den letzten Jahren hat es eine Vielzahl von technologischen Innovationen zur Reduktion der CO2-Emissionen gegeben, so zum Beispiel in der Energieversorgung, der Gebäudetechnik, der Mobilität usw. Das Thema «Nachhaltigkeit» wird in der Wirtschaft und bei der öffentlichen Hand immer mehr zu einem festen Bestandteil bei ihrem Handeln. Auch bei den privaten Haushalten steigt das Bewusstsein. Die richtigen Anreize im Markt sorgen dafür, dass das Kapital in erfolgversprechende und nachhaltige Projekte fliesst. Gerade in der Start-up-Szene gibt es unzählige Produkt- und Dienstleistungsideen, die zu einer nachhaltigeren Entwicklung beitragen können. Das zeigt auch, dass die Menschen grundsätzlich bereit sind, etwas für eine bessere Umwelt zu tun.

Das genügt insgesamt aber noch nicht, weil wir alle zu wenig konsequent sind, sei es aus Sachzwängen heraus oder aus Bequemlichkeit oder Unwissen. Hier sind wir alle gefordert. Auch wir als Gemeinde!

Der Gemeinderat hat im vergangenen Jahr für seine jährliche Klausur das Thema «Nachhaltigkeitsverständnis Reinach» gewählt. Es ging um folgende Fragen:

  • -Was bedeutet Nachhaltigkeit in und für Reinach?
  • -Welche Handlungsfelder sind davon primär betroffen?
  • -Welche Bedeutung misst der Gemeinderat der Nachhaltigkeit in diesen Handlungsfeldern bei?

Wir wollen in unserem Handeln und in unseren Entscheiden die natürlichen, sozialen und materiellen Lebensgrundlagen sichern und entwickeln und dabei vor allem auch die natürlichen, sozialen und finanziellen Möglichkeiten künftiger Generationen berücksichtigen. Das betrifft alle unsere Tätigkeitsbereiche. Wir wollen bezüglich Nachhaltigkeit ein Vorbildrolle einnehmen und unseren Beitrag zur Erfüllung der Ziele der Agenda 2030 leisten.

Wegweisende Energiestadt Reinach
Im vergangenen Jahr durften wir als erste Gemeinde im Kanton Basel-Landschaft das «Energiestadt GOLD»-Label entgegennehmen. Die Gemeinde hat sich als Vorreiterin in der Planung von Energiemassnahmen profiliert. Die Energiestadt Reinach hat für die Gold-Label-Zertifizierung 76% des Energie-Massnahmenkatalogs erfüllt. Dazu gehört beispielsweise auch, dass neue Quartierplanungen mit der Energiestrategie von Reinach vereinbar sein müssen und dass die ressourcenschonende Mobilität als Gesamtpaket entwickelt wird.

Wir wissen, dass wir die Erde nicht allein retten können. Und es ist ein Dauerlauf, der Ausdauer brtaucht! Wir wollen diese Herausforderung annehmen und unseren Beitrag leisten, auch im neuen Jahr und in den folgenden Jahren. Ich hoffe, dass auch Sie alle Ihren Beitrag leisten werden.

Bei allem Ernst der Situation wollen wir dabei aber auch die Lust am Leben nicht verlieren. Nur als zufriedene Menschen sind wir motiviert, uns auf Neues einzulassen. Diese Zufriedenheit, aber auch Gesundheit und alles, was Sie für ein gutes Leben brauchen, wünsche ich Ihnen für 2020. Als Gemeinderat wollen wir auch 2020 unseren Beitrag dazu leisten."